Im Jahr 2021 führte die Gemeinde Muri erstmals eine umfassende Bevölkerungsbefragung durch, um Bedürfnisse und Meinungen systematisch zu erfassen und die Legislaturplanung 2022–2025 darauf abzustützen. 2025 wurde die Befragung erneut durchgeführt – diesmal mit dem Ziel, Veränderungen sichtbar zu machen und die Planung der kommenden Legislaturperiode 2026–2029 fundiert zu unterstützen.
Zwischen dem 18. August und dem 29. September 2025 nahmen 573 von insgesamt 1'112 eingeladenen Einwohnerinnen und Einwohner ab 18 Jahren an der Befragung teil. Die Rücklaufquote lag bei 51.5 %.
Muri bleibt ein attraktiver Wohnort
Die Gesamtzufriedenheit mit Muri als Wohnort ist hoch und stabil: Mit einem Mittelwert von 5.7 von 7 Punkten liegt Muri leicht über dem Benchmark, das heisst dem Referenzwert für andere vergleichbare Gemeinden der Schweiz (5.5) und auf ähnlichem Niveau wie 2021 (5.6). Über 60 % der Befragten zeigten sich sehr zufrieden, nur 1 % war sehr unzufrieden.
Spontan positiv genannt wurden:
Kritischer beurteilt wurden erneut der Verkehr (75 % Nennungen, +5 Prozentpunkte gegenüber 2021), das Wohnungsangebot (14 %) sowie die Steuersituation und die Bahnhofsumgebung (je rund 12 %). Auch die Gemeindeverwaltung wurde in 9 % der Antworten negativ erwähnt.
Zufriedenheit mit Wohnorteigenschaften
Ein zentrales Ziel der Befragung war es, die Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten des Lebens in Muri zu ermitteln. Besonders gut bewertet wurden Eigenschaften aus dem Bereich Kultur, Sport und Freizeit – vier davon befinden sich unter den zehn besten Einzelwerten. Drei dieser Eigenschaften liegen sogar deutlich über dem Benchmark.
Sehr geschätzt werden zudem die Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf (6.4 Punkte; Benchmark: 5.4), die Abfallentsorgung (6.2; Benchmark: 5.5) und die öffentliche Sicherheit am Tag (5.9; Benchmark: 5.7). Dies unterstreicht das positive Gesamtbild: Muri wird als sicherer, lebendiger und gut versorgter Wohnort wahrgenommen.
Weniger zufrieden sind die Befragten bei Themen aus den Bereichen Finanzen und Steuern sowie Umweltschutz und Raumordnung. Kritisch bewertet wurden unter anderem die Steuerbelastung (3.9; Benchmark: 4.1), das Verhältnis der Höhe der Steuern zu den Leistungen der Gemeinde (4.2), das Wohnungsangebot (4.3) und das bauliche Wachstum der Gemeinde (4.3). Auffallend tiefer als im Benchmark sind die Bewertungen für das Fuss- und Velowegnetz (4.6; Benchmark: 5.0–5.1), insbesondere in Bezug auf die Sicherheit als Teilnehmer und Teilnehmerin im Langsamverkehr.
Gesundheitsversorgung polarisiert
Im Bereich Gesundheit fallen die Einschätzungen differenziert aus. Während die Standardfragen zur medizinischen Grundversorgung durchwegs über dem Benchmark liegen, bleiben sie 2025 leicht hinter den Werten von 2021 zurück.
Besonders positiv beurteilt wurde die Rolle des Spitals Muri in der medizinischen Grundversorgung (5.3 Punkte). Kritischer fiel das Urteil zu geplanten strukturellen Anpassungen aus, etwa zur Schliessung der Geburtenabteilung, zum Ausbau der Geriatrie oder zur Einführung einer eigenständigen Orthopädie. Diese Massnahmen erzielten einen Mittelwert von lediglich 4.0 Punkten – mit gleich vielen sehr Zufriedenen wie sehr Unzufriedenen.
Zurückhaltend fiel auch die Bewertung der Hausarztversorgung aus (4.5 Punkte). Jüngere Erwachsene und Familien mit kleinen Kindern vergaben unterdurchschnittliche Noten, während ältere Personen und Menschen mit Migrationshintergrund sich für höhere Werte aussprachen. Diese Muster zeigen sich auch in der Beurteilung der übrigen Gesundheitsversorgung.
Zu berücksichtigen ist, dass die Befragung in eine Zeit intensiver Diskussionen über Gesundheitskosten und das Angebot des Spitals Muri fiel – Faktoren, auf die die Gemeinde nur begrenzt Einfluss hat.
Verkehr bleibt ein Reizthema
Wie bereits 2021 bleibt der Verkehr das am häufigsten genannte Problemfeld. Die Gesamtbewertung liegt bei 5.1 Punkten und damit erneut unter dem Benchmark (5.3). Besonders kritisch gesehen wird der Durchgangsverkehr, den eine Mehrheit der Bevölkerung als Belastung empfindet. Nur 19 % erkennen darin einen Nutzen für die Gemeinde. Neuere Einwohnerinnen und Einwohner sowie jüngere Personen beurteilen die Situation tendenziell weniger kritisch.
Eine Mehrheit nimmt das Thema ambivalent wahr: Rund 55 % nennen sowohl positive als auch negative Aspekte – etwa gute Erreichbarkeit auf der einen Seite, Lärm und Belastung auf der anderen. Die Sicherheit für aktive Verkehrsteilnehmende wird unterdurchschnittlich bewertet. Nur ein Viertel der Befragten findet, dass genügend und richtig platzierte Fuss- und Velowege vorhanden sind.
Auch Themen der künftigen Mobilität wurden abgefragt. Die Verfügbarkeit öffentlicher Ladestationen für Elektrofahrzeuge wird nur von rund 20 % als ausreichend empfunden. Wie die Aussage zum Parkplatzangebot bewertet wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Insgesamt stimmt rund ein Drittel der Befragten der Aussage zu, dass es genug öffentliche Parkplätze für Autos und Motorräder gibt.
Obwohl der allgemeine Strassenzustand mit 5.6 Punkten gut bewertet wurde, zeigt sich: Mobilität ist ein komplexes und emotional aufgeladenes Thema. Nahezu alle Bevölkerungsgruppen sind direkt betroffen – mit jeweils unterschiedlichen Erwartungen an Sicherheit, Infrastruktur und Verkehrsführung.
Weitere Erkenntnisse
Fazit
Die Befragung 2025 zeigt klar: Muri bleibt ein beliebter und lebenswerter Ort. Besonders erfreulich sind die konstant hohen Bewertungen in den Bereichen Freizeit, Sicherheit und Versorgung. Gleichzeitig machen die Resultate deutlich, wo Handlungsbedarf besteht – etwa bei der Gesundheitsversorgung, beim Verkehr und beim Wohnungsangebot.
Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung fliessen in den laufenden Strategieprozess des Gemeinderates ein. Die Ergebnisse der Befragung sind eine wichtige Grundlage für die Festlegung der strategischen Schwerpunkte der neuen Legislaturplanung 2026-2029. Die neue Vision, das überarbeitete Leitbild sowie die strategischen Schwerpunkte sollen voraussichtlich im Juni 2026 publiziert werden. Die Umsetzung der Massnahmen beginnt im Anschluss schrittweise ab dem zweiten Halbjahr 2026.
Für zusätzliche Auskünfte dürfen Sie sich per E-Mail an kanzlei@muri.ch oder telefonisch bei Severin Bättig, Gemeindeschreiber, Tel. 056 675 52 13, melden.
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